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Fachinformation zu Gabitril® 5/10/15 Filmtabletten:Mepha Pharma AG
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AMZV

Zusammensetzung

Wirkstoff: Tiagabinum ut Tiagabini hydrochloridum monohydricum.
Hilfsstoffe: Excipiens pro compresso obducto.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Filmtabletten zu 5 mg, 10 mg und 15 mg Tiagabinum ut Tiagabini hydrochloridum monohydricum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Gabitril ist ein Antiepileptikum, welches als Zusatztherapie mit anderen Antiepileptika bei partiellen Anfällen mit und ohne sekundärer Generalisierung angezeigt ist; bei Erwachsenen und Kindern über 12 Jahre, die auf eine konventionelle Therapie nicht genügend angesprochen oder diese nicht vertragen haben.

Dosierung/Anwendung

Gabitril Filmtabletten werden oral verabreicht und sind zusätzlich zur bestehenden antiepileptischen Medikation mit den Mahlzeiten einzunehmen.
Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre
Die Initialdosis beträgt 5 mg/Tag für eine Woche und kann als Einzeldosis eingenommen werden. In der zweiten Therapiewoche beträgt die Dosis 10 mg/Tag aufgeteilt in zwei Einzeldosen à 5 mg. Danach kann die Dosis in Intervallen von mindestens 1 Woche um jeweils 5 mg/Tag erhöht werden. Dabei sollte Gabitril auf 3 Einzeldosen aufgeteilt werden. Es kann notwendig sein, das Dosierungsschema an besondere Patientenmerkmale wie Alter, Leberfunktion und Begleitmedikation individuell anzupassen (vgl. «Interaktionen»).
Erhaltungsdosis bei Patienten, die Enzym-induzierende Arzneimittel einnehmen
Die übliche Erhaltungsdosis beträgt bei Patienten, die mit Enzyminduktoren behandelt werden, 30–50 mg/Tag (vgl. «Interaktionen»). Dosen bis zu 70 mg/Tag wurden untersucht.
Erhaltungsdosis bei Patienten, die nicht mit Enzym-induzierenden Arzneimitteln behandelt werden
Bei Patienten, die nicht mit Enzyminduktoren behandelt werden, ist die Erhaltungsdosis zunächst auf 15–30 mg/Tag zu reduzieren (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Kinder unter 12 Jahren
Die Anwendung von Tiagabin bei Kindern unter 12 Jahren wird auf Grund von fehlenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit nicht empfohlen (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Ältere Patienten
Die Pharmakokinetik von Tiagabin scheint bei älteren Patienten nicht signifikant verändert. Es stehen jedoch nicht genügend Daten über die Verabreichung von Gabitril an ältere Patienten zur Verfügung. Es wird daher dringend empfohlen, Tiagabin bei Patienten dieser Altersklasse mit Vorsicht anzuwenden.
Patienten mit Nierenfunktionsstörung
Die Pharmakokinetik von Tiagabin wird durch eine bestehende eingeschränkte Nierenfunktion nicht beeinflusst, so dass eine Anpassung der Dosierung bei diesen Patienten nicht erforderlich ist.
Patienten mit Leberfunktionsstörungen
Auf Grund der veränderten Pharmakokinetik von Tiagabin bei Patienten mit leicht bis mittelschwer verminderter Leberfunktion (vgl. «Pharmakokinetik») ist die Dosierung von Gabitril in Form einer Dosisverminderung und/oder einer Verlängerung des Dosisintervalls anzupassen, da Tiagabin in der Leber metabolisiert wird.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile von Gabitril.
Schwere Leberinsuffizienz.
Angesichts fehlender Daten (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen») wird von einer Verabreichung bei generalisierten Epilepsien abgeraten, insbesondere bei den idiopathischen Formen mit Absenzen und Lennox-Gas­taut-Syndrom und verwandten Formen.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Nach Zulassung des Präparates sind Fälle kognitiver/neuropsychiatrischer Symptome, teilweise mit EEG-Veränderungen, wie generalisierter Spike/Wave-Aktivität, aufgetreten, die als nichtkonvulsiver Status epilepticus berichtet wurden. Einige Fallberichte beschreiben die Besserung der Symptome nach Dosisreduktion oder Absetzen des Präparates.
In den drei doppelblinden, placebokontrollierten Parallelgruppenstudien lag die Häufigkeit aller Formen von Status epilepticus (einfach, komplex oder generalisiert-klonisch) bei mit Gabitril behandelten Patienten bei 0,8% (4 von 494 Patienten) bzw. bei 0,7% (2 von 275 Patienten) in der Placebo-Gruppe. In allen mit Gabitril durchgeführten kontrollierten und nicht-kontrollierten Studien, trat bei 5% der Patienten eine Form von Status epilepticus auf. Dabei handelte es sich in 57% der Fälle um einen komplex partiellen Status epilepticus. Ein kritischer Risikofaktor für einen Status epilepticus war dabei ein früheres Auftreten in der Vorgeschichte; bei 33% der Patienten mit Status epilepticus in der Anamnese wurde ein erneutes Auftreten während der Gabitril-Behandlung beobachtet. Da keine Inzidenzangaben zu Status epilepticus in einer ähnlichen Population von Epileptikern, die nicht mit Gabitril behandelt wurden, verfügbar sind, kann keine Aussage gemacht werden, ob eine Behandlung mit Gabitril mit einer höheren oder niedrigeren Häufigkeit an Status epilepticus einhergeht, als in einer ähnlichen Patientenpopulation erwartet würde, die nicht mit Gabitril behandelt wurde.
Angesichts der GABAergen Wirkungsweise von Tiagabin sowie auf Grund der im Tierversuch gewonnenen Erkenntnisse ist eine Verschlimmerung von Absenzen bei mit Gabitril behandelten Patienten mit generalisierter Epilepsie nicht auszuschliessen.
Berichte nach der Zulassung des Arzneimittels haben gezeigt, dass die Anwendung von Gabitril mit dem erstmaligen Auftreten von Krampfanfällen und Status epilepticus bei Patienten ohne vorbekannte Epilepsie in Zusammenhang stehen kann. Obwohl über Krampfanfälle auch bei Patienten berichtet wurde, die normale Tiagabin-Dosen eingenommen haben, wurden die meisten Fälle im Zusammenhang mit Überdosierungen (vgl. «Überdosierung») oder nach zu schneller Aufdosierung berichtet. Auch andere Ursachen, wie Grunderkrankungen oder Begleitmedikationen, die die Anfallsschwelle herabsetzen können, können zur Entwicklung von Krampfanfällen bei Patienten, die nicht an Epilepsie leiden, beigetragen haben.
Tiagabin ist ausschliesslich für die Zusatztherapie partiel­ler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren zugelassen, die mit anderen Antiepileptika nicht ausreichend behandelbar sind. Die Wirksamkeit und vor allem die Sicherheit von Tiagabin in der nicht zugelassenen Behandlung anderer Krankheitsbilder (z.B. bipolare Störungen, Schlafstörungen, Angststörungen) sind nicht ausreichend belegt. Insbesondere wurden bei Behandlung anderer als der zugelassenen Indikation Fälle von erstmaligem Auftreten epileptischer Anfälle oder eines Status epilepticus beschrieben.
Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung ist aufgrund der verlängerten Halbwertszeit die Dosis von Gabitril durch eine Dosisverminderung oder eine Verlängerung des Dosisintervalls entsprechend anzupassen, da Tiagabin durch die Leber metabolisiert wird.
Wie mit jedem anderen Antiepileptikum, können bei einigen Patienten unter Tiagabin eine Erhöhung der Häufigkeit der Anfälle oder das Auftreten anderer Anfallstypen beobachtet werden. Diese Ereignisse können die Folge einer Überdosierung, eines Rückgangs der Plasmakonzentra­tion einer gleichzeitig verabreichten antiepileptischen Medikation, eines Fortschreitens der Krankheit oder einer paradoxen Wirkung sein.
Wie bei allen anderen Antiepileptika kann das plötzliche Absetzen von Gabitril das Wiederauftreten der Anfälle zur Folge haben. Es empfiehlt sich daher, die Dosierung über einen Zeitraum von 2–3 Wochen nach und nach zu vermindern.
Bei Patienten, bei denen in der Vergangenheit schwere Verhaltensstörungen, aber auch Angstzustände und Depressionen, aufgetreten sind, besteht bei Verabreichung von Gabitril die Gefahr eines erneuten Auftretens dieser Symptome, wie dies bei einer Anzahl weiterer Antiepileptika bereits festgestellt werden konnte. Es empfiehlt sich daher eine Verabreichung zunächst geringer Dosen unter sorgfältiger klinischer Aufsicht.
Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine Metaanalyse randomisierter, placebo-kontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. Der Mechanismus für die Auslösung dieser unerwünschten Wirkung ist nicht bekannt und die verfügbaren Daten schliessen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von Tiagabin nicht aus.
Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden medizinische Hilfe einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.
Die Patienten, die in die Studien mit Tiagabin eingeschlossen waren, hatten eine Co-Medikation mit Antiepileptika erhalten, welche einen induzierenden Effekt auf den Metabolismus von Tiagabin in der Leber aufwiesen. Im Falle einer Co-Medikation mit Antiepileptika, welche keinen induzierenden Effekt auf den Metabolismus haben, wird empfohlen, die Dosierung von Tiagabin vorsichtig anzupassen, um Intoxikationen zu vermeiden.
Bei Patienten, die Gabitril erhielten, trat ein schwerwiegender vesikulobullöser Hautausschlag und exfoliative Dermatitis auf (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).
Es wurde von spontanen Ekchymosen berichtet; bei deren Auftreten empfiehlt sich die Anfertigung eines vollständigen Blutbilds (einschl. Bestimmung der Blutplättchenzahl).
In seltenen Fällen wurde im Zusammenhang mit der Einnahme von Tiagabin von einer Einschränkung des Gesichtsfelds berichtet. Beim Auftreten von Sehstörungen ist der Patient zur ergänzenden Beurteilung augenärztlich zu untersuchen; dabei ist eine Perimetrie vorzunehmen.
Aufgrund des Gehaltes an Laktose sollten Gabitril Filmtabletten nicht bei Patienten mit einer der folgenden erblichen Erkrankungen, die selten vorkommen, angewendet werden: Galaktosämie, Lapp-Laktase-Mangel, Glukose-Galaktose-Malabsorption.

Interaktionen

Gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die mit einem CYP3A4/5 Metabolismus verbunden sind
Antiepileptika, die Leberenzyme induzieren (CYP450) wie z.B. Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital und Primidon, beschleunigen den Metabolismus von Tiagabin.
Rifampicin (Cytochrom P450-Induktor) kann die Metabolisierung von Tiagabin ebenfalls steigern.
Im Falle einer Co-Medikation mit einem dieser Arzneimittel (Antiepileptika, Rifampicin), muss die Dosis von Tiagabin gegebenenfalls angepasst werden: Erhöhung der Tagesdosis und/oder mehrfache Gabe, um den therapeutischen Effekt zu erzielen.
Ketoconazol (CYP3A4/5-Inhibitor) kann die Metabolisierung von Tiagabin verzögern. Im Falle einer Co-Medikation mit diesem Arzneimittel muss die Dosis von Tiagabin entsprechend angepasst werden.
Gleichzeitige Anwendung mit nicht-Enzym-induzierenden Arzneimitteln
Bei Verabreichung von Tiagabin an Patienten, die keine Enzym-induzierenden Arzneimittel einnehmen, muss mit erheblich höheren Plasmakonzentrationen gerechnet werden. Solche Patienten benötigen daher niedrigere und weniger häufige Tiagabindosen als Patienten unter Enzym-induzierender Medikation, um eine ähnliche systemische Tiagabinexposition zu erreichen. Diese Patienten können im Vergleich zu Patienten unter Enzym-induzierender Medikation auch eine langsamere Tiagabin-Aufdosierung benötigen (vgl. «Dosierung/Anwendung»).
Gabitril bewirkt keine klinisch signifikante Veränderung der Plasmakonzentrationen von Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Valproinsäure, Warfarin, Digoxin, Theophyllin und der Hormone der oralen Kontrazeptiva.
Cimetidin als hepatischer Enzym-Inhibitor erhöht die Tiagabin-AUC um ca. 5%, was jedoch keinen klinisch signifikanten Einfluss auf die Wirkung von Tiagabin hat.
Paroxetin (CYP2D6-Inhibitor) bewirkt keine klinisch signifikante Veränderung der Plasmakonzentrationen von Gabi­tril.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es liegen keine Erkenntnisse aus kontrollierten Studien an schwangeren Frauen vor. Im Tierversuch wurden unerwünschte Wirkungen von Tiagabin festgestellt, die aber ausschliesslich bei Dosierungen auftraten, welche einer 8- bis 16-fachen Exposition bei der klinischen Höchstdosis entsprechen. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.
Gabitril sollte deshalb in der Schwangerschaft nur verwendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist.
Es liegen keine Informationen zur Anwendung von Gabitril in der Stillzeit vor. Bei Ratten wird Tiagabin (und/oder seine Metaboliten) in der Muttermilch ausgeschieden. Gabitril sollte deshalb in der Stillzeit nicht angewendet werden, oder es sollte allenfalls Abstillung in Betracht gezogen werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Insbesondere in der Eingangsphase der Behandlung können mit der Einnahme von Tiagabin Schwindel und weitere neurologisch bedingte Symptome einhergehen. Es ist daher beim Führen von Fahrzeugen oder beim Bedienen von Maschinen Vorsicht angezeigt.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen treten während der Titrationsphase auf und sind häufig vorübergehender Art. Folgende unerwünschten Wirkungen wurden in klinischen Studien mit Gabitril im Vergleich zu Placebo als Add-on-Therapie beobachtet (sehr häufig ≥1/10; häufig ≥1/100, <1/10; gelegentlich ≥1/1’000, <1/100; selten ≥1/10’000, <1/1’000; Häufigkeit nicht bekannt [Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar]):
Störungen des Blutsystems
Häufig: Ekchymosen (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Psychiatrische Störungen
Sehr häufig: Somnolenz (19% vs. 16%), unspezifische Nervosität (11% vs. 3%).
Häufig: Depressive Verstimmung (4% vs. 1%), emotionale Labilität (4% vs. 1%), Konzentrationsstörungen (6% vs. 2%).
Selten: Verwirrung und paranoide Reaktionen (Halluzinationen, Agitation, Delirium).
Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems
Sehr häufig: Schwindel (29% vs. 16%), Tremor (10% vs. 4%).
Selten: Epileptische Anfälle inklusive konvulsiver oder nichtkonvulsiver Status epilepticus, Verlangsamung des EEGs.
Häufigkeit nicht bekannt: Enzephalopathie.
Sehstörungen
Selten: Gesichtsfeldeinschränkungen (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).
Störungen des Magen-Darmtraktes
Häufig: Diarrhöe (7% vs. 3%).
Allgemeine Störungen
Sehr häufig: Müdigkeit (22% vs. 15%).
Nach Markteinführung wurden in klinischen Studien und der Postmarketing Surveillance folgende zusätzliche unerwünschte Wirkungen beobachtet:
Psychiatrische Störungen
Häufig: Schlaflosigkeit.
Gelegentlich: Feindseligkeit.
Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems
Häufig: Ataxie, anormaler Gang, Sprachstörungen.
Sehstörungen
Häufig: Verschwommenes Sehen.
Störungen des Magen-Darmtraktes
Sehr häufig: Übelkeit.
Häufig: Erbrechen, abdominale Schmerzen.
Störungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Gelegentlich: Bullöse Dermatitis.
Häufigkeit nicht bekannt: Vesikulobullöser Hautausschlag, exfoliative Dermatitis.
Störungen des Bewegungsapparates, des Bindegewebes und der Knochen
Häufig: Muskelzuckungen.
Über das Auftreten von Synkopen wurde nach der Zulassung des Arzneimittels berichtet.
Berichte nach der Zulassung des Arzneimittels haben gezeigt, dass die Anwendung von Gabitril mit dem erstmaligen Auftreten von Krampfanfällen und Status epilepticus bei Patienten ohne vorbekannte Epilepsie, die mit Tiagabin in einem nicht zugelassenen Anwendungsgebiet behandelt werden, in Zusammenhang stehen kann (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Überdosierung

Als häufigste Symptome einer Überdosierung von Tiagabin allein oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln wurden beobachtet: Krampfanfälle inklusive Status epilepticus (auch bei Patienten ohne zugrunde liegendes Anfallsleiden), Atemdepression, Atemstillstand, stummes und zurückgezogenes Verhalten des Patienten, Koma, Bewusstseinsverlust, Spike-Wave Stupor, Enzephalopathie, Amnesie, Verwirrtheit, Desorientiertheit, Schläfrigkeit, Dyskinesie, Myoklonus, Tremor, Ataxie oder Koordinationsstörungen, Schwindel, Sprachstörungen, Kopfschmerzen, psychotische Störungen, Feindseligkeit, Aggressionen, Agitiertheit, Erbrechen und Harninkontinenz.
Bei Überdosierung von Tiagabin kann es im Rahmen eines Status epilepticus auch zu einer Atemdepression kommen, die eine Intubation und Beatmung erforderlich machen kann.
Bei alleiniger Überdosierung von Tiagabin (Dosierungen bis zu 720 mg) wurden keine Todesfälle gemeldet, wohl aber bei Überdosierung mehrerer Medikamente einschliesslich Gabitril.
Im Falle einer Überdosierung werden eine allgemeine medizinische Überwachung sowie ggf. supportive Massnahmen empfohlen. Bei schweren Überdosierungen ist eine stationäre Aufnahme zu empfehlen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: N03AG06
Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik
Gabitril ist ein Antiepileptikum mit dem Wirkstoff Tiagabin. Tiagabin hemmt selektiv die Wiederaufnahme von GABA in das präsynaptische Neuron wie auch in die Gliazellen, was zu einer Zunahme der GABAergen Hemmung im Gehirn führt.
Tiagabin weist keine signifikante Affinität zu Rezeptorbindungsstellen und/oder Aufnahmestellen anderer Neurotransmitter auf.
Tiagabin selber wird nicht in die Neuronen aufgenommen.
Gabitril ist bei partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung als Add-on-Therapie angezeigt.

Pharmakokinetik

Absorption
Tiagabin wird rasch und nahezu vollständig absorbiert, mit einer absoluten Bioverfügbarkeit von 89%. Bei Epileptikern und Epileptikerinnen, die Enzym-induzierende Antiepileptika einnehmen, liegt die nach einer halben Stunde (t max ) erreichte maximale Plasmakonzentration des Wirkstoffes (C max ) im Steady-state zwischen 6,0 und 31,9 ng/ml/mg Dosis.
In kontrollierten klinischen Studien betrugen die minimalen Plasmakonzentrationen bei Dosen von 27 bis 51 mg pro Tag zwischen <1 ng/ml und 234 ng/ml. Die Beziehung zwischen der Plasmakonzentration von Tiagabin und der therapeutischen Wirkung ist nicht geklärt. Die optimale Dosierung soll grundsätzlich anhand des klinischen Ansprechens festgelegt werden.
Die gemeinsame Einnahme mit dem Essen resultiert in einer verlangsamten, in ihrem Ausmass jedoch unveränderten Absorption.
Distribution
Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 1 l/kg. Tiagabin ist zu ca. 96% an die Plasmaproteine gebunden.
Metabolismus
Tiagabin wird hauptsächlich über die Leber abgebaut. Weniger als 2% werden unverändert mit dem Urin oder Faeces ausgeschieden. Aktive Metaboliten wurden keine identifiziert. Die Metabolisierung erfolgt über das Cytochrom P450 3A. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Tiagabin eine Induktion oder Hemmung des mikrosomalen Leberenzymsystems bewirkt. Die hepatische Clearance von Tiagabin ist jedoch erhöht, wenn es gleichzeitig mit Enzym-induzierenden Antiepileptika, wie Phenytoin, Carbam­azepin, Phenobarbital oder Primidon angewendet wird. Umgekehrt führt der CYP3A4-Hemmstoff Ketokonazol zur Verdoppelung der AUC von Tiagabin und zur Erhöhung der C max von Tiagabin um ca. 50%.
Elimination
Die Halbwertszeit (t ½ ) der Elimination von Tiagabin aus dem Plasma beträgt 7–9 Stunden. Bei induzierten Patienten ist sie auf 2–3 Stunden verkürzt. 25% der eingenommenen Dosis werden mit dem Urin ausgeschieden (davon 1% unverändert), 63% in den Faeces. Die Gesamtclearance (Cl total ) beträgt 70,9 ml/min.
Innerhalb der therapeutischen Dosis sind die Absorption und Elimination von Tiagabin linear.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Leberinsuffizienz
Bei Patienten mit verminderter Leberfunktion ist die Halbwertszeit verlängert (bis zu 11–15 Stunden), da Tiagabin in der Leber metabolisiert wird.
Niereninsuffizienz
Bei Patienten mit verminderter Nierenfunktion scheint die Pharmakokinetik unverändert zu sein.
Ältere Patienten
Die Pharmakokinetik bei älteren Patienten scheint unverändert zu sein.

Präklinische Daten

Mutagenese, Karzinogenese
Tiagabin erwies sich in den meisten in vitro und in vivo Tests als nicht genotoxisch. Nur in einem Test in humanen Lymphozyten induzierte Tiagabin in Abwesenheit eines metabolischen Aktivierungssystems strukturelle chromosomale Veränderungen, welche aber in Anwesenheit eines metabolischen Aktivierungssystems nicht beobachtet wurden.
Eine Langzeit-Karzinogenitätsstudie an Ratten zeigte unter hoher Dosierung (200 mg/kg, entsprechend einer 36- bis 100-fachen höheren Exposition, gemessen an der AUC, als der maximalen Humanexposition) eine geringfügig erhöhte Inzidenz hepatozellulärer Adenome bei weiblichen Tieren. Die klinische Bedeutung dieses Befundes ist nicht bekannt.
Reproduktionstoxikologie
Tiagabin wurde Ratten während der Organogenese in hohen Dosen (100 mg/kg/Tag, entsprechend der 16-fachen maximalen Humandosis auf der Basis der Körperoberfläche) verabreicht und führte zu maternaler Toxizität sowie zu embryotoxischen (verringerte Fötengewichte) und teratogenen Effekten (Missbildungen des Gesichtsschädels, der Gliedmassen und der inneren Organe). Bei einer tie­feren Dosis von 20 mg/kg/Tag (entsprechend dem 3-fachen der humanen Maximaldosis auf der Basis der Körperoberfläche) war keine maternale oder embryo-fötale Toxizität und Teratogenität zu beobachten. Wurde Tiagabin ab der späten Trächtigkeit und während der Geburt und der Laktation an Ratten verabreicht, wurden vermehrt Totgeburten sowie erhöhte postnatale Sterblichkeit und erniedrigtes Wachstum der Jungtiere beobachtet.
In Kaninchen wurde bei einer Dosis von 25 mg/kg/Tag (entsprechend dem 8-fachen der maximalen Humandosis auf der Basis der Körperoberfläche) nur Embryotoxizität (erhöhte Inzidenz von Resorptionen und von fötalen Variationen), nicht jedoch Teratogenität beobachtet. Keine Effekte traten bei humanäquivalenten Dosen auf.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Besondere Lagerungshinweise
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und vor Licht geschützt in der Originalverpackung aufbewahren.

Zulassungsnummer

53782 (Swissmedic).

Packungen

Menge

CHF

SM

Rückerstattungskat.

GABITRIL Filmtabl 5 mg (nH)

50 Stk (nH)

B

2 x 50 Stk (aH 06/12)

B

GABITRIL Filmtabl 10 mg (nH)

50 Stk (nH)

B

2 x 50 Stk (aH 06/12)

B

GABITRIL Filmtabl 15 mg (nH)

50 Stk (nH)

B

2 x 50 Stk (aH 06/12)

B

Zulassungsinhaberin

Mepha Pharma AG, 4147 Aesch/BL.

Stand der Information

Januar 2011.

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